Kirchengemeinde St. Jodok
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Die Sankt-Jodoks-Kirche wurde 1385 gestiftet, nachdem mit dem Aufstieg Ravensburg zu einem bedeutenden Zentrum der Leinenweberei und des Leinenhandels ein Bevölkerungszuwachs verbunden war, der um 1340 eine großzügige Stadterweiterung notwendig machte. Die Bewohner der sogenannten Unterstadt, meist Rebleute und Handwerker, gehörten teilweise der Pfarrei St. Christina an, deren Kirche allerdings auf der Höhe südlich der Burg und damit außerhalb der Stadt lag. 1385 wurde diesem Mißstand abgeholfen mit der Stiftung einer eigenen Pfarrkirche, die nun inmitten des neuen Stadtteils errichtet wurde. Geweiht wurde der Bau den heiligen Jodok, Christina und Katharina. Die Wahl des hl. Jodok als Hauptpatron erklärt sich aus seiner Bedeutung als Beschützer der Pilger auf dem Weg zum Jakobsgrab in Santiago de Compostela, auf dem Ravensburg eine wichtige Stadtion bildete. Jodok war ein bretonischer Thronanwärter des 7. Jh., der auf alle weltliche Macht verzichtete und als Pilger und Einsiedler Christus nachfolgte.
Die Freifläche um die Kirche war ursprünglich der Friedhof der Pfarrgemeinde, von ihm ist noch ein Stück der Nordmauer erhalten. Südlich der Kirche steht noch das alte Pfarrhaus. Der qualitätsvolle Barockbau mit Mansardendach stammt von 1753 und wird dem bekannten süddeutschen Barockbaumeister Josef Bagnato zugeschrieben.
Zur Erstausstattung der Kirche gehörten neben dem Hochaltar noch zwei Seitenaltäre, die im Spätmittelalter durch Stiftungen des Patriziats noch vermehrt und mit Pfründen versehen wurden. St. Jodok war Sitz mehrerer Bruderschaften. 1455 wird erstmals die Bruderschaft der Ledergerbergesellen genannt, 1573 diejenige für die Säckler. Darüber hinaus gab es hier eine Bruderschaft der Rebleute und die Fronleichnams-Bruderschaft. Letztere bemühte sich um die Verehrung der Eucharistie, wozu viermal im Jahr eine Prozession um die Stadt abgehalten wurde.
Für die 1385 geweihte Kirche, die an zentraler Stelle der planmäßig angelegten Unterstadt errichtet wurde, war die betont schlicht gehaltene Architektur der Bettelorden das bestimmende Leitbild. Mit Ausnahme des neuen Turmdaches aus glasierten Ziegeln, das um 1600 aufgesetzt worden war, und der Errichtung der neuen Sakristei am Ostende des südlichen Seitenschiffes blieb die Kirche im Laufe der folgenden Jahrhunderte unverändert.
Das hervorragendste Ausstattungsstück ist das hohe Wandtabernakel (datiert auf das Jahr 1401) auf der nördlichen Chorseite mit Blendmaßwerk, rechteckigen Nischen mit noch original gotischen Eisengittern, der Figurennische mit der Krönung der Muttergottes und dem Abschluß mit Engeln und dem Schweißtuch der Veronika. Den aufwändigen Abschluss bildet ein Kielbogen, der von zahlreichen Fialen mit Krabben und Kreuzblumen durchstoßen wird. Über dem Kielbogen des Turmeingangs hat sich als einziger Rest der einst wohl reichen Ausstattung der Kirche mit Wandmalereien das Fresko des sogenannten Feiertagschristus (Anfang 15. Jh.) erhalten. Die selten gewordene Darstellung zeigt in der Mitte den gemarterten Heiland, der symbolhaft von all jenen Werkzeugen umgeben ist, deren Benutzung an Feiertagen nicht erlaubt war.
Die Orgel wurde 1993 durch die Firma Rieger aus Schwarzach/Vorarlberg errichtet. Sie besitzt bei 38 Registern eine zweimanualige Disposition, die auf drei Manuale verteilt ist. Im Anklang an die in mittelalterlichen Kirchen immer vorhandene farbige Fassung des Innenraums und an die starkfarbigen Chorfenster von St. Jodok wurde das Gehäuse in kräftigen Rot- und Blautönen gefasst.
Vom mittelalterlichen Geläut hat sich noch die 1428 gegossene "Rex Gloria" mit 1330 kg erhalten. Sie läutet auf den Ton F.
Zur Pfarrei St. Jodok gehört die Mühlbruckkapelle, eine 1929 neu errichtete Wallfahrtskapelle "Zur schmerzhaften Muttergottes", die erstmals 1472 erwähnt wird, wohl aber auf ältere Ursprünge zurückgeht. Das spätgotische Gnadenbild befindet sich heute allerdings in der Liebfrauenkirche. Bildhauer Theodor Schnell d. Ä. schnitzte als Ersatz des Gnadenbildes eine neue Pieta in Anlehnung an das gotische Vorbild.


Kontakt:
Eisenbahnstraße 25
88212 Ravensburg
Tel: 0751 / 36 36 16-0
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