St.Antonius in Oberzell


Der Besucher der südlichen Ortsteile von Ravensburg findet in Oberzell zwei Kirchen vor, welche die Geschichte dieses Ortes wiederspiegeln:

Im ursprünglichen Ortszentrum weist der alte Kirchturm den Weg zur 1749/50 errichteten Kirche zur Schmerzhaften Muttergottes. Abt Unold I von Weißenau, mit seinem Wappen am Hauptportal der Kirche verewigt, hatte diese Filialkirche an den alten Kirchturm anbauen lassen. Im Laufe der Jahrhunderte hat diese alte Kirche verschiedenste Veränderungen erlebt: Einbau von Seitenaltären, Empore, Kanzel, Umbauten am Hochaltar wie auch die Bestückung mit unterschiedlichsten Fenstern, Bildern und Plastiken. Als Oberzeller Pfarrkirche wurde sie von der 1975 neu errichteten St. Antoniuskirche abgelöst.

 

Nach Jahren stiefmütterlichen Daseins wurde die alte Pfarrkirche einer gründlichen Restauration unterzogen: Die 1868 hinzugefügten Seitenaltäre wurden wieder entfernt, passende Zelebrations- und Seitenaltäre geschaffen, das Gestühl erneuert, alte Fresken, Hochaltar und Plastiken gereinigt.

Beachtenswert sind die Deckenfresken von Joseph Anton Hafner (1970) sowie das in die Chordecke aufgenommene Leinwandbild der Himmelskönigin (1728) welches offenbar aus der Prälatur in Weißenau stammt.

Besondere Ausstattungsteile sind ein 1630 geschaffener großer Taufstein sowie eine barocke Himmelskönigin mit Kind, welche nach jahrelanger, unsachgemäßer Aufbewahrung in der Nische über dem Hauptportal heute wieder an der linken Schiffswand der Kirche einen adäquaten Platz gefunden hat.

Seit dem Abschluss der Renovierungsarbeiten 1991 erstrahlt diese alte Pfarrkirche als von der Bevölkerung sehr geschätztes barockes Juwel im neuen Glanz, der viele Menschen zu Besinnung, Andacht, Gottesdienst, Trauungen wie auch Beerdigungen einlädt.

 

Der schnelle Bevölkerungszuwachs nach dem zweiten Weltkrieg machte einen Neubau der Kirche in Oberzell nötig. Aus Denkmalschutzgründen war den Plänen einer Erweiterung der alten Pfarrkirche eine Absage erteilt worden.

Nahezu unscheinbar hat die Pfarrkirche St. Antonius einen Platz in der Oberzeller Ortsmitte gefunden. Aus Kostengründen war vom Bau des Kirchturms abgesehen worden, so dass lediglich ein schlichtes Kreuz auf das neue Gemeindezentrum der Kirchengemeinde hinweist.

Inspiriert von den Gedanken des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde ein Kirchenraum geschaffen, der alle Gottesdienstbesucher mit in das Geschehen von Wortgottesdienst und Eucharestie einzubinden sucht. Als Zentralpunkt des Gotteshauses zeigt sich die schwere Leimbinderkonstruktion des Daches- ein die gesamte Kirche überspannendes Kreuz: Zeichen für die unendliche, alles beschützende und bewahrende Liebe Gottes, Zeichen auch dafür, dass jeder in der Annahme des Kreuzes zu tieferem Glauben, zum Segen für sich und den Nächsten gelangen kann.

Der Künstler Diether Domes aus Kressbronn verstand es, mit farbigen, lichtragenden Glasbändern, sanftes, lebendiges Licht in den Kirchenraum eindringen zu lassen.

Besondere farbliche Akzente setzte er dabei in der Ausgestaltung der Nischen bei Tabernakel und Antoniusrelief. Bildhauer Josef Henger, Ravensburg, wurde mit der sakralen Ausgestaltung des Kirchenraums beauftragt. In der Wahl des Rotlavasteins zur Ausgestaltung von Tabernakel, Altar, Taufstein, Ambo und Podest der Madonna suchte der Künstler einen Kontrast zur Dominanz der grauen Baumaterialien zu setzen. Im linken hinteren Eingangsbereich hat der Künstler mit einem Bronzerelief das Leben und Wirken des Kirchenpatrons Antonius eindrücklich dargestellt. Die bildliche Ausgestaltung der St. Antoniuskirche wurde nachträglich eingefügt und stellt durch die Übernahme von Bildern aus der alten Pfarrkirche einen Verbund dieser beiden Kirchen, gleichsam die Lebensgeschichte der Kirchengemeinde dar. Die Darstellung "Maria mit dem Kinde" wurde von Professor Gebhard Fugel im Jahre 1897 für seine Heimatgemeinde geschaffen. David Mieser aus Ravensburg schuf die Kreuzigungsdarstellung über dem Altar, Öl auf Leinwand, im Jahre 1614. Die kleineren Darstellungen wurden den Predellen, den Aufsätzen der ehemaligen Seitenaltäre entnommen. Eindeutig zuzuordnen ist die Darstellung des Todes von Maria und deren Aufnahme in den Himmel durch das Monogramm David Miesers 1615. Aus der Entstehungsgeschichte der Altäre lösst sich jedoch vermuten, dass auch das zweite Bild, die Grablegung Jesu, aus der Hand des Ravensburger Künstlers stammt. Die spätgotische Madonna wurde vom Ravensburger Bildhauer Jakob Ruß um ca. 1480 geschaffen und stellt mit dem gotischen Vortragskreuz das älteste Zeugnis der Kirchengemeinde Oberzell dar.

 





 

Kontakt:

St. Antonius-Weg 8

88214 Ravensburg - Oberzell

Tel: 0751 / 6 12 84


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